„Dark Splendor“ - David Lynch im Max Ernst Museum Brühl

Was kann man von der Ausstellung eines Künstlers erwarten, der über seine Werke sagt: „Meine Bilder sind organische, brutale Komödien. Sie müssen brutal sein, primitiv und roh“ und die laut Presseinformation die „Wert- und Moralvorstellungen“ verletzen könnten und deshalb für unter 18-Jährige nicht unbedingt empfehlenswert seien?
Bekannt ist David Lynch vor allem als Regisseur von Filmen wie „The Elephant Man“ oder „Lost Highway“- seine weniger populäre Seite als bildender Künstler zeigt dieser Tage die etwa 150 Zeichnungen, Lithografien, Drucke und Fotos umfassende Ausstellung „Dark Splendor“ im Max Ernst Museum in Brühl.
Lässt man sich auf Lynchs Bildsprache ein, nimmt sie einen schnell gefangen: Marode Industrieanlagen, drastisch dargestellte menschliche Tragödien, entstellte Körper, verstörende Gewaltexzesse. Überwiegend in Schwarz- und Grautönen gehalten und akustisch durch Klanginstallationen unterlegt, die noch weiter zur Beklemmung des Betrachters beitragen. Der 63-Jährige scheint nicht müde zu werden, alle Obsessionen und Abgründe menschlichen Empfindens und Verhaltens visualisieren zu wollen. Dabei nach inhaltlichen Aussagen zu suchen ist weniger zielführend als vielmehr die Intensität der morbiden Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Gerade die großformatigen Bilder in Mischtechnik wie „This Man Was Shot 0.9502 Seconds Ago“ oder „Pete goes to his girlfriend’s house“ machen oft einen unbehauenen, plumpen Eindruck; was aber gerade durch die Einfachheit der Mittel eine latente Gewalt ausstrahlt und so unter die Haut geht. In der Serie „Distorted Nudes“ zeigt sich Lynch als Meister der Dekonstruktion und Verfremdung. Moderne Digitaltechnik dient ihm als Vehikel der Manipulation historischer Aktfotografien, aber auch von Alltagsszenen, die mit Schriftzügen und Zeichnungen versehen in neuem Licht erscheinen.

Wer des Destruktiv-Verstörenden noch nicht überdrüssig ist, kann sich im Begleitprogramm vier frühe Kurzfilme des US-Regisseurs sowie sein surrealistisches Spielfilmdebüt „Eraserhead“ aus dem Jahr 1977 ansehen. Egal, was man von seiner Kunst halten mag:
Es wird deutlich, dass Lynch einen unverwechselbaren eigenen Stil entwickelt hat und filmische und bildkünstlerische Ästhetik Hand in Hand gehen.
Wer also zwischen Weihnachtsliedergedudel und Glühwein nach Abwechslung sucht oder im neuen Jahr dem Karneval und den unhaltbaren guten Vorsätzen entkommen will, dem sei diese Werkschau ans Herz gelegt.
„Dark Splendor“ ist noch bis Ende März zu sehen, der Eintritt beträgt für Studierende 3 Euro.
http://www.maxernstmuseum.de


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Einen umfangreichen, übersichtlichen und informativen Blog hast du hier. Als gutes Beispiel dient dieser Artikel…
Immer wieder schön zu sehen das sich Leute noch so viel Mühe machen.
Mfg
Splendor