Klimawandel zum Frühstück

11. Februar 2010 - Beitrag geschrieben von Dagny

Henning referiert über den KlimawandelHenning hat neben seinem Fulltime-Job bei Oase noch viel zu tun. Die wenigen freien Minuten verbringt Henning damit, sich als Ökoreferent des AStA für den Klimaschutz zu engagieren. Bei Kaffeeduft, Brötchenkrümel und Knuspermüsli informierte der Oase-Anchorman am 7. Februar im ZaKK über den Klimawandel. Einmal im Monat lädt attac Düsseldorf zum Politischen Frühstück ins Zakk und lockt mit kaiserlichem Frühstückbüfett. FrühstücksbüfettDer Ökoreferent des AStA nahm die Frühstücksgäste mit auf die Reise „Von Rio nach Kopenhagen“ und diskutierte Maßnahmen, Erfolge und Versäumnisse in der internationalen Klimapolitik. Oase hat den Vortrag für euch mitgeschnitten und Henning backstage befragt.

Oase: Weißt du eigentlich, warum es so viele Schlösser in Schottland gibt?

Henning: (zuckt mit den Schultern)

Oase: Als die Schlösser vor Jahrhunderten dort gebaut wurden, war es ein paar Grad wärmer als heute. Sieht man da nicht, dass Klimaschwankungen ganz normal sind?

Henning: Ja, Klimaschwankungen gibt es grundsätzlich immer. Das Klima ist kein stabiles System, das immer die gleiche Temperatur hat. Allerdings gibt es in den letzten 150 bis 200 Jahren eine verstärkte Emission von Treibhausgasen durch den Menschen, die eine massive Erderwärmung im zwanzigsten Jahrhundert hervorgerufen hat.

Oase: Aber das ist doch toll, dann können wir ja unseren Sommerurlaub wieder in Schottland verbringen…

Henning: Das wäre für dich dann wahrscheinlich toll, aber es ist fraglich, ob das wirklich geschehen wird, denn wahrscheinlich würde sich dort der Golfstrom abschwächen und dann wird es auf den Britischen Inseln wesentlich kälter. Schlimmer noch ist es dort, wo es jetzt schon sehr heiß ist, da werden Dürreperioden zunehmen, was wiederum zu extremen Wetterphänomenen führen kann. Auch kommt es vermehrt zu tropischen Wirbelstürmen. Grundsätzlich ist globale Erwärmung alles andere als toll.

Oase: Nun hat die Politik versucht, dem Klimawandel entgegenzutreten. Was haben die bisherigen Klimakonferenzen gebracht?

Henning: Gebracht haben sie, dass die Industrieländer eine Emissionsreduktion vereinbart haben, 1997 in Kyoto. Die besagt, dass die CO2-Emissionen in den Jahren 2008 bis 2012 um 5,2 Prozent gesenkt werden sollen im Vergleich zum Referenzjahr 1990. In Zukunft braucht es ein Folgeprotokoll, das an Kyoto anschließt, damit wir ein verbindliches Abkommen haben, wie es weitergeht mit der Reduktion von Treibhausgasen.

Oase: Was sind die Knackpunkte bei den Verhandlungen?

Henning: Einer der Knackpunkte ist, dass sich die Länder nicht einig sind, wer wie viel emittieren darf. Da wollen die Staaten wirtschaftliche Vorteile erhalten, indem sie auf Emissionsbeschränkungen verzichten. Andererseits sträuben sich noch einige Schwellenländer, wie zum Beispiel China, sich auf verbindliche Emissionsziele zu einigen. Glücklicherweise sind aber die USA wieder mit an Bord, die waren ja beim Kyoto-Protkoll zwischenzeitlich ausgestiegen.

Oase: Ist Klimaschutz grundsätzlich vereinbar mit wirtschaftlichem Wachstum?

Henning: Klimaschutz ist zumindest in Teilen vereinbar mit wirtschaftlichem Wachstum, sofern dieses Wachstum nicht nur auf der Zunahme von Ressourcen basiert, also wenn man ein Wirtschaftswachstum hat, was weniger materiell basiert ist.

Oase: Und wenn ich jetzt sehe, dass die Politik ist nicht groß vorankommt, was kann ich als Einzelperson für den Klimaschutz tun?

Henning: Du kannst als Einzelperson einerseits dein Konsumverhalten möglichst nachhaltig gestalten, indem du zum Beispiel im Supermarkt oder besser noch im Bioladen auf Bioprodukte zurückgreifst, die aus der Region kommen, keine weiten Transportwege haben. Indem du versuchst, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, Strom aus nachhaltigen Energien zu beziehen und indem du nicht unnütz konsumierst. Andererseits kannst du dich natürlich für das Klima engagieren - auf lokaler und auf höherer Ebene - indem du mitmachst zum Beispiel in NGOs wie Greenpeace und anderen Organisationen, die sich für das Klima einsetzen.

Oase: Wie viel hängt denn vom Verbrauch des Einzelnen ab?

Henning: Natürlich hat der Einzelne mit seiner Kaufentscheidung schon eine gewisse Macht. Um das Wirtschaftssystem nachhaltig zu gestalten, muss es vor allem eine Nachfrage geben nach nachhaltigen Produkten, so dass die Wirtschaft drauf reagieren kann und das Angebot entsprechend gestaltet. Was der Einzelne leider nicht kann, ist direkten Einfluss nehmen auf die Klimaschutzvereinbarungen. Wenn man zum Beispiel sieht, dass China sich sträubt zu unterschreiben, wissen wir alle, dass du und ich wenig Einfluss auf die chinesische Regierung haben. Das ist leider so.

Oase: Wenn man aber pro Kopf rechnet, ist doch der Energieverbrauch der Chinesen nicht so hoch wie der der Europäer oder US-Amerikaner.

Henning: Das ist richtig, das kritisieren die Chinesen auch immer wieder – und durchaus berechtigt. Die Klimareduktions-Vorhaben orientieren sich immer an absoluten Zahlen: wie viel wird emittiert und wie viel soll davon prozentual zurückgehen. Es wird nicht berücksichtigt, wie groß die Bevölkerung des jeweiligen Landes ist. Das ist durchaus ein berechtigter Einwand, wenn man sagt ´warum dürfen wir nicht mehr emittieren, wenn wir auch eine größere Bevölkerung haben?`

Oase: Was können wir den Chinesen für Angebote machen?

Henning: Ich denke, dass man noch deutlicher vorrechnen muss, dass Klimaschutzmaßnahmen, wenn sie versäumt werden, langfristig viel, viel höhere Kosten nach sich ziehen, als wenn man sie jetzt trifft. Das heißt also, wenn man die Klimafolgen später ausgleichen möchte, ist das mit enormen Investitionen verbunden, um allein den Status Quo von heute wieder herzustellen. Man kann viel Geld einsparen, wenn man die extremen Auswirkungen des Klimas von vornherein vermeidet.

Oase: Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Dagny.

Für alle die sich noch ausführlicher mit Hennings Positionen zur Klimapolitik beschäftigen wollen, haben wir an dieser Stelle den kompletten Audiomitschnitt des Vortrags gepackt. Viel Spaß!


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