“Akt von Diktatur”
Die Internationale Liste ist mit fünf Sitzen die Gewinnerin der Stupa-Wahl. Einen Sitz ist sie jedoch schon wieder los. Nezih Bourokba ist aus der Liste ausgetreten. OASE sprach mit dem Parlamentarier.
OASE: Vor einer Woche wurdest du mit 116 Stimmen als stärkster Kandidat der Internationalen Liste in das Studierendenparlament gewählt. Jetzt bist du aus der Liste ausgetreten. Wie kam es dazu?
Nezih: Ich habe erst am Montag begriffen, dass ich mit 116 Stimmen in das Stupa gewählt wurde. Daraufhin wollte ich von Saban, dem Spitzenkandidaten der Internationalen Liste, wissen, was die Arbeit im AStA-Vorstand bedeutet. Er wollte es mir aber nicht erklären. Er sagte „Das ist nichts für dich.“ Als ich ihn am nächsten Tag nochmal ansprach wurde er sogar sehr aggressiv. Außerdem hat er ohne mich und ohne mein Wissen Koalitionsverhandlungen geführt. Zu den Gesprächen hat er immer nur eins der anderen SP-Mitglieder der Internationalen Liste mitgenommen. Dieses Verhalten ist unpassend und undemokratisch.
OASE: Warum hast du überhaupt für die Internationale Liste kandidiert?
Nezih: Mir gefiel die Idee, dass Menschen aller Nationen zusammenarbeiten. Dass es keine Grenzen gibt. Dass alle gleich sind. Jetzt weiß ich dass Saban alles bestimmt. Sein Verhalten ist ein Akt von Diktatur. Aus Respekt vor meinen Wählern möchte ich so nicht arbeiten.
OASE: Dein Mandat willst du aber behalten?
Nezih: Ja, ich hab 116 Stimmen bekommen, weil ich mit vielen Studenten gesprochen habe und ihnen beispielsweise versprochen habe, mich dafür einzusetzen, dass die Fachbibliothek in der Math-Nat am Wochenende geöffnet ist und mehr studentische Hilfskräfte eingestellt werden. Daher behalte ich mein Mandat und gehe zur Not auch in die Opposition.
OASE: Würdest du koalieren und wenn ja mit wem?
Nezih: Ich bin bereit zu koalieren. Das wichtigste ist ein demokratischer AStA, in dem man zusammen arbeitet.
OASE: Die IL ist eine politisch sehr heterogene Gruppe. Würdest du dich einem politischen Lager zuordnen?
Nezih: Früher war ich links. Dann habe ich mich für liberale Theorien begeistern lassen. Heute bin ich ein bisschen von allem. In der Mathematik habe ich gelernt, dass man für unterschiedliche Aufgaben immer unterschiedliche Lösungsmethoden anwenden muss. Das will ich auch in der Politik machen.
OASE: Was hältst du den beispielsweise von Studiengebühren oder dem Bildungsstreik?
Nezih: Ich bin gegen Studiengebühren. Aber ich bin realistisch und denke, dass man sie nicht hier an der Uni abschaffen kann. Den Bildungsstreik ist eine Aktion von Studierenden, also unterstütze ich ihn.
OASE: Die LHG ist beispielsweise gegen den Bildungsstreik. Trotzdem ein möglicher Koalitionspartner?
Nezih: Die Leute von der LHG haben eine andere Meinung. Wahrscheinlich weil sie reich sind. Für mich kommen alle Listen außer die IL als Koalitionspartner in Frage. Das wichtigste ist, dass kein Rassismus, keine Religion und keine Gewalt benutzt wird um Politik zu machen.
OASE: Gab es schon Gespräche mit anderen Listen?
Nezih: Ja, aber das ist noch geheim. Aber das sollst du nicht schreiben. Das klingt zu gefährlich.
Interview: David Werdermann


Wo ist die Stelle mit dem Mossad geblieben?
Zwischen mir und Nezih hat es Uneinigekit darüber gegeben, ob der Ausdruck gefallen ist. Da es meiner Meinung nach für die Aussage völlig irrelevant ist, habe ich es in “zu gefährlich” geändert.
Zwei Dinge finde ich an dem Interview hochgradig amüsant:
1. “Die Leute von der LHG haben eine andere Meinung. Wahrscheinlich weil sie reich sind.” - Made my day!
2. Die Conclusio aus jener Aussage. Denn wenn man sich argumentative “Stringenz” mal ansieht: “Gegen Studiengebühren => Für Bildungsstreik => LHG mag keinen Bildunstreik => Scheißegal, Hauptsache nicht IL” Total konsequent.
Nicht, dass es mich wirklich kümmern würde…
Das ist ja herrlich!