Paul is dead.
Paul McCartney starb 1966 bei einem Autounfall, und ein Doppelgänger nahm seinen Platz ein. Das behaupten zumindest einige Beatles-Anhänger. Oase forschte nach der Wahrheit.
Der skeptische Mensch neigt manchmal dazu, das Naheliegende zu leugnen und anhand vermeintlicher Indizien das Gegenteil zu beweisen, wie absurd dieses auch sein mag. Die amerikanische Mondlandung soll tatsächlich in Hollywood stattgefunden haben, und Adolf Hitler gelang in den letzten Kriegstagen angeblich die Flucht nach Argentinien, wo der heute 118-jährige seinen Diktatoren-Ruhestand genießt. Das glaubt nicht jeder, doch sogar wer Verschwörungstheorien gemeinhin für Unsinn hält, bestreitet wiederum in parodistisch-entlarvender Absicht die Existenz der Stadt Bielefeld.
Sicher ist dagegen, dass Paul McCartney 1966 tödlich verunglückte. Zumindest für die Macher der Campus-Zeitung an der University of Michigan, die drei Jahre nach dem vermeintlichen Unfall darüber berichtete. Die Story geht so: An einem Novembermorgen um fünf Uhr war McCartney mit dem Auto unterwegs, als er einer Politesse nachschaute und dabei eine rote Ampel übersah. Es kam zum Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug, McCartneys Wagen explodierte und der Beatle verbrannte bis zur Unkenntlichkeit. Auf Druck der Plattenfirma wurde sein Tod vertuscht; man veranstalte einen Ähnlichkeitswettbewerb, den ein gewisser William Campbell gewann.
Gleichzeitig gaben die übrigen drei Beatles die Tragödie in verklausierten Botschaften zu verstehen.
Zugegeben, die Theorie enthält ein paar Schönheitsfehler: Welche Politesse macht um fünf Uhr früh Jagd auf Parksünder? Und überhaupt ist es im Herbst um diese Tageszeit in England so dunkel, dass selbst die schönste Ordnungshüterin am Straßenrand nicht zu erkennen wäre. Was aber, wenn die hübsche Dame Legende, der Unfall jedoch war ist?
Anhänger der Theorie tragen eine beeindruckende Indizienkette vor. Auf dem Cover der LP „Revolver“ ist McCartneys Porträt im Gegensatz zu den anderen Bandmitgliedern nicht frontal sondern abgewandt im Profil zu sehen, wodurch der Eindruck entsteht, er scheide aus der Gemeinschaft der „Fab Four“ aus. Über seinem Kopf ist eine Hand zu erkennen, was im indischen Kulturraum ein Symbol des Todes sein soll. Zu noch mehr Spekulationen führte das darauf folgende Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Das opulente Titelbild mit über siebzig prominenten Persönlichkeiten vor dem Beatles-Schriftzug aus Blumen weist rätselhafte Ähnlichkeit mit einem Begräbnis auf. McCartney trägt einen Anstecker mit den Buchstaben O.P.D., was als „officially pronounced dead“ gedeutet wird, und man vermutet sogar einen in Geheimschrift verfassten Hinweis, der erkennbar werde, wenn die Buchstaben auf der Schlagzeug horizontal gespiegelt würden. Nicht wenige begreifen den Text des letzten Songs der Platte, „A Day in the Life“, als Schilderung des Unfallhergangs: „He blew his mind out in a car. He didn’t notice that the lights had changed“, singt John Lennon, der auch in seinem späteren Solo-Stück „I’m so tired“ auf McCartneys Tod eingehen soll. Spielt man das Lied rückwärts ab, erklingt nämlich der in feinstem Merseyside-Englisch gesprochene Satz: „Paul is a dead man, miss him!“ Um dies herauszuhören, bedarf es allerdings einer satten Portion guten Willens. Und ebenso wird behauptet, Britney Spears mache rückwärts abgespielt schlüpfrige Aufforderungen. Wie zuvor „Sgt. Pepper’s“ wird auch das Cover der letzten Beatles-LP, „Abbey Road“, als Trauerzeremonie interpretiert. Die vier Beatles überqueren hintereinander einen Zebra-Streifen; Lennon im weißen Anzug stellt den Priester dar, ihm folgt Ringo Starr in dunkler Garderobe als Sargträger, an vierter Stelle geht George Harrison als Totengräber in Arbeitskleidung . McCartney als dritter ist barfuß, was, da Menschen in Großbritannien barfuß beerdigt werden, als weiteres Indiz für seinen Tod gesehen wird. Dass er, obwohl Linkshänder, seine Zigarette in der rechten Hand hält, spricht für die Doppelgänger-These; außerdem bilden die Buchstaben „LMW“ auf dem Kennzeichen des VW Käfers im Hintergrund das Kürzel für „Linda McCartney Widow“. Die Reihe der Hinweise lässt sich beliebig fortsetzen. Selbsternannte Experten meinen ebenfalls, nach 1966 gewisse Veränderungen am Bass-Spiel der Beatles zu hören. Dass sich ihr musikalischer Stil seitdem insgesamt zum Experimentellen hinwendete, wird geflissentlich verschwiegen. Auch die Tatsache, dass die Beatles in den letzten Jahren ihres Bestehens nicht mehr vor Publikum aufgetreten sind, ist der Theorie nicht abträglich.
McCartney – oder doch sein Doppelgänger – zeigt sich nicht gerade amüsiert über die Gerüchte. In den Neunzigern veröffentlichte er einen Konzertmitschnitt unter dem trotzigen Titel „Paul is live“, in Interviews bemühte er sich, die Theorie zu entkräften. Viele der mutmaßlichen Hinweise sind durchaus widersprüchlich. Zum Zeitpunkt des angeblichen Unfalls lebte McCartney noch gar nicht mit seiner späteren Ehefrau Linda sondern mit der Schauspielerin Jane Asher zusammen, und das „Revolver“-Album war bereits drei Monate zuvor erschienen. Der Text von „A Day in the Life“ bezieht sich in Wirklichkeit auf Tara Brown, einen steinreichen Sprössling der britischen Aristokratie, der im Dezember ‘66 bei einem Autounfall ums Leben kam. So heißt es im weiteren Text: „Nobody was really sure if he was from the house of Lords“, eine Anspielung auf Browns Familie, die einen vererbaren Sitz im Britischen Oberhaus innehatte. Anhänger der Theorie registrieren derlei Einwände ungern. Sie lebt weiter im Internet, und 1998 setzte sich ein deutscher Spielfilm mit dem Thema auseinander.
Oase nimmt nach eingehender Recherche sowie diversen wissenschaftlichen Untersuchungen an, dass Paul McCartney lebt, ist aber sicher, dass Pavarotti der Papa von Rod Stewart ist. Die zahllosen Hinweise auf den Plattencovern sind euch bestimmt schon aufgefallen…
Wer der Sache mit Paul auf den Grund gehen möchte:
Andru J. Reeve, Turn Me On, Dead Man: The Beatles and the ‘Paul Is Dead’ Hoax, Bloomington 2004


Henning dickes Lob.
Echt nen schöner Artikel. Mir gefällt dein Schreibstil echt gut, lässt sich sehr flüssig lesen.
Bei dem Titel, hätte ich den Artikel eigentlich nicht gelesen. Sylvia hat mich auf dich aufmerksam gemacht.
Dass ironische Ende ist echt köstlich!
Ich warte auf deinen nächsten Artikel.
Vielen Dank Hanno
wOW! GEILE geschichte!
ich Liebe Diese WeBSite!
Catty
also ich bin auch überzeugt, dass paul tot ist